Codierung im Arbeitszeugnis

Es ist in der Tat nicht einfach eine Codierung in einem Arbeitszeugnis festzustellen. Es kommt auch darauf an, ob es sich um eine klassische Codierung geht oder um Hinweise einer schlechten Leistung oder Verhalten oder ob es sich sogar um ein qualifiziertes oder beredetes Schweigen handelt.

Von einer klassischen Codierung spreche ich dann, wenn in Arbeitszeugnissen folgendes steht:

Herr Müller erfüllte die Aufgaben zu unserer vollen Zufriedenheit.

oder

Herr Müller erfüllte die Aufgaben zu unserer guten Zufriedenheit.

Das sind Codierungen in Arbeitszeugnissen, die man früher zur Leistungsbeurteilung benutzt hat und heute nicht mehr benutzt werden «darf», aber noch viel in Zeugnissen leider anzutreffen ist.

Es gibt aber auch Hinweise in Zeugnissen, die klar hindeuten, dass der Arbeitgeber mit der Arbeit nicht zufrieden war. Als Beispiel: Er legte viel Wert darauf, seine Arbeiten gut zu organisieren. Ein solcher Satz kann auf eine schlechte Beurteilung hindeuten, dass er mit der Organisation seiner Arbeit Mühe hatte.

Dann gibt’s auch noch das «qualifizierte oder beredete Schweigen» in der als Beispiel Sätze oder Adjektive aus Leistungs- oder Verhaltensbeurteilungen nicht erwähnt werden. Wenn etwa das Verhalten gegenüber den Vorgesetzten im Zeugnis fehlt, dann kann das entweder vom Zeugnisschreiber vergessen gegangen sein oder es wurde absichtlich nicht erwähnt, da es zwischen dem Mitarbeiter und dem Vorgesetzten Probleme oder Missstände gab. Auch kann von «beredetem Schweigen» angewendet werden, wenn als Beispiel im Arbeitszeugnis beim Umgang mit dem Vorgesetzten, Mitarbeitenden und Kunden nur als korrekt beschrieben wird und das Wort «freundlich» absichtlich weggelassen wird. Auslassungen von Kriterien in Arbeitszeugnissen sind grundsätzlich nicht gestattet.

Ein qualifiziertes oder beredetes Schweigen ist nur dann vereinbar, wenn das Fehlen eines Wortes und ganzer Sätze so offensichtlich ist, dass das Fehlen der Aussage auch eine Aussage selbst darstellt. Beredetes Schweigen ist dann unzulässig, wenn Dritte oder der Arbeitnehmer selbst die damit gemachten Aussagen nicht verstehen.

Es ist nicht ganz einfach, Codierungen im Arbeitszeugnis ausfindig zu machen. Hierfür muss man die Zeugnissprache verstehen und viele Jahre Erfahrung im Deuten von Arbeitszeugnissen haben.

Daher empfehlen wir immer, das Arbeitszeugnis von einem Experten prüfen zu lassen.

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