Muss Krankheit im Arbeitszeugnis erwähnt werden?

Die Frage ist, wie lange dauerte die Krankheit und wie schwer war sie. Ein Arbeitszeugnis soll wohlwollend aber auch wahrheitsgetreu verfasst werden. Das Wahrheitsprinzip ist nach Schweizer Recht das wichtigste Prinzip und sollte auch dementsprechend beachtet werden. Und das Wohlwollen und das Wahrheitsprinzip auf einer Waage zu stellen, ist nicht immer ganz einfach.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Krankheiten in einem Zeugnis erwähnt werden müssen, wenn diese auch eine längere Zeit gedauert hat und sich auch erheblich auf die Leistungen ausgewirkt haben. Dazu werden allgemeine Formulierungen wie «aus gesundheitlichen Gründen» oder «wegen gesundheitlichen Problemen» in den Zeugnissen angewendet, welche auch absolut genügen.

Zu diesem Thema gibt’s auch Bundesgerichtsbeschlüsse, die besagen, dass in einem qualifizierten Arbeitszeugnis Krankheiten dann zu erwähnen sind, wenn die Krankheit im Verhältnis zur Vertragsdauer sehr ins Gewicht fällt und ohne Anmerkung der Krankheit ein falscher Eindruck auf die tatsächlich erbrachter Leistungen und Verhalten entstehen würde.

Somit ist zu sagen, dass wenn die Arbeitsunfähigkeit einen erheblichen Einfluss auf die gesamte Leistung und das Verhalten der Grund der Kündigung war, so ist dies ebenfalls zu erwähnen. Die Dauer der Krankheit ist allein nicht massgebend, sondern, wie oben beschreiben, das Verhältnis zwischen Anstellung- und Krankheitsdauer. Daher muss jeder Fall als Einzelfall betrachtet werden.

Was ist denn als verhältnismässig anzuschauen? Wenn ein Arbeitnehmer:in bei einer Anstellung länger als ein Jahr krank war und bei der Kündigung nicht absehbar war, wie lange die Krankheit noch dauert, resp. wann die Tätigkeit wieder aufgenommen werden kann, dann ist es Verhältnismässig korrekt, dass der Arbeitgeber die Krankheit und den Kündigungsgrund erwähnt.

Ein Beispiel: Ist ein Arbeitnehmer 6 Jahre als Sachbearbeiter beschäftigt, und nach 4vier Jahren in eine höhere Position befördert und war während den letzten zwei Jahren vor der Kündigung krankgeschrieben, so sollte dieser Umstand im Zeugnis notiert werden, ansonsten würde das Verschweigen der Abwesenheit ein falsches Bild über die erworbenen Erfahrungen vermitteln.

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